Kurz vor Dreizehn Uhr legen wir ab — bewölkt, 21 Grad, südlicher Wind, der schon beim Ablegen mit 9 kn bläst und auf dem kurzen Stück Richtung Süden auf 13 kn aufbaut. Gute 23 nm liegen vor uns, Ziel ist Kyrkogårdsön. Den Leuchtturm von Boveteskär lassen wir dicht an Steuerbord vorbei; die anderen Feuer ringsum bleiben weit genug entfernt, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Nach einer knappen Viertelstunde unter Motor gehen die Segel hoch.
Erst die Genua, dann das Großsegel — und weil der Südwind direkt aus der Richtung kommt, in die wir wollen, binden wir bald ein Reff ein. Am Wind auf Südwestkurs drückt es das Boot ordentlich auf die Seite, bis zu 22 Grad Krängung, und die Böen gehen kurz auf 20 kn. Dafür macht Camelot Fahrt. Kapellskär passieren wir mit knappem Abstand zu Steuerbord, Marö und Ålandskobb liegen dicht an beiden Seiten. Dann, gegen Mitte des Nachmittags, plötzlich dicke Regentropfen — dabei blauer Himmel und Sonne über uns. Woher das kommt, wissen wir ehrlich gesagt nicht.
Der Wind bleibt aus Süd, unser Kurs geht Richtung Südwest — heißt: kreuzen. Wir arbeiten uns in ein paar Schlägen durch die Gewässer zwischen Yxlan und den vorgelagerten Inseln, immer wieder wenden, mal kurz nach Südost, dann zurück. Viel Manöver, wenig Fortschritt in der Wunschrichtung, aber so ist das nun mal beim Aufkreuzen.
Im letzten Abschnitt bleibt der Wind noch eine Weile bei 10–14 kn, flaaut dann aber merklich ab. Wir wenden und halsen uns durch das enge Fahrwasser — an Siaröfortet vorbei, einer Festungsanlage aus dem frühen 20. Jahrhundert, die wir dicht an Steuerbord haben. Kurz darauf meldet die Crew lakonisch: Kappe über Bord. Was dann folgt, bleibt undokumentiert.
Als der Wind weiter nachlässt, läuft der Motor an und übernimmt die letzten Meilen. Kurz vor halb sechs machen wir fest.
Kyrkogårdsön liegt im mittelschwedischen Schärengarten nördlich von Stockholm — eine stille Insel, kaum bebaut, ringsum Wasser und Felsen. Am Abend erkunden wir die alten Militäranlagen auf der Insel, und ein paar aus der Crew gehen noch einmal schwimmen.