Los geht's. Wir legen ab und motoren zunächst nach Norden, raus aus dem Hafen und Richtung offene Ostsee. Das Ziel für heute steht noch nicht ganz fest — entweder Klintholm oder Hiddensee, je nachdem, was der Wind erlaubt. Aus West pfeift es schon ordentlich, und die kurze Welle macht sich mit ihren gut einem halben Meter und knappem Abstand zwischen den Seen spürbar bemerkbar. Sechzehn Grad, teils bewölkt — ein guter Grund, erst mal den Motor laufen zu lassen und die See zu lesen.
Segel hoch, Motor aus. Wir arbeiten uns die Warnow hoch und stehen bald auf der offenen Mecklenburger Bucht. Dann die Entscheidung: Hiddensee. Wir drehen nach Nordosten und laufen mit raumem Wind über die Ostsee.
Die Welle macht uns gründlich zu schaffen — alle fünf haben mehr oder weniger Anzeichen von Seekrankheit. Steuern hilft, Liegen auch, und so wechseln wir uns ab. Trotzdem kommen wir gut voran, berühren dabei fast neuneinhalb Knoten, und irgendwie macht das Segeln trotz allem sehr viel Spaß. Manchmal ist das eben so.
Wir drehen weiter auf Ostkurs, der Wind jetzt von achtern — genau das, was wir brauchen. Nach einer Halse läuft die Camelot sauber auf Hiddensee zu. An Steuerbord passieren wir den Leuchtturm am Darßer Ort, ein markanter Punkt auf halber Strecke. Langsam geht es uns auch besser, und Hiddensee rückt spürbar näher.
Der letzte größere Schlag vor dem Ziel führt uns nach Südosten, durch engeres Fahrwasser mit ein paar Wenden und einer Halse. Nichts Dramatisches, aber es verlangt Aufmerksamkeit — wir arbeiten uns durch, die Stimmung an Bord ist gut.
Auf dem letzten Stück nach West liegt der Wind genau auf der Nase. Daran arbeiten wir uns hoch am Wind voran — und mitten drin ein unschöner Fund: Wasser im Motorraum, und nicht wenig. Ein Schlauchstück am Seewasserkühlsystem hat einen Riss. Wir flicken den Schlauch so gut es geht und hoffen, dass er hält. Ein guter Test fürs nächste Mal, gelassen zu bleiben.
Die letzten Meter bis zum Steg legen wir unter Segel zurück, der Wind weiter von vorn. Es reicht gerade so — wir kommen an, machen fest, und Kloster liegt um uns. Die Sonne steht noch hoch, der Abend gehört uns.
Wir bleiben einen weiteren Tag auf Hiddensee. Kein Ablegen, kein Schlauchproblem — einfach an Land, die Insel anschauen und durchatmen.