Kurz vor halb zwölf legen wir in Kristianopel ab — der erste wirklich sommerliche Tag dieser Reise. 18 °C, kein Wölkchen, und ein Wind, der sich nicht so recht entscheiden kann, wie viel er geben möchte: mal 4, mal 12 kn aus Nordost, und die Segel wollen einfach nicht richtig stehen. Trotzdem kommen wir voran, hoch am Wind gen Südost, die Festungsanlage von Kristianopel noch einen Moment lang an Backbord. Eine Wende, dann läuft auch das hinter uns. Es könnte ruhigerer Segelwind sein — aber bei diesem Wetter beschwert man sich besser nicht.
Dann dreht der Wind auf Südost und legt etwas zu. Knappe 40 nm liegen vor uns gen Norden, und mit dem Wind jetzt querab gleiten wir genau dahin — entspannt und ruhig, das Boot aufrecht, fast kein Seegang. Wohin genau, das weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand an Bord so genau. Nanuq scheint das herzlich egal zu sein.
Der Südwind hält und wir setzen Kurs nach Norden — jetzt mit dem Wind von achtern, der uns Stunde um Stunde die Küste hochschiebt. 20 °C, Sonne, kaum Welle. An Bord wird gelesen, Kreuzworträtsel gelöst, einfach nur dagesessen. Der Leuchtturm bei Garpen zieht an Backbord vorbei, später das Kap Stensö. Fünf Stunden lang so — das ist einer dieser Tage, für die man segelt.
Am Abend frischt der Wind aus Ost auf und wir liegen wieder querab auf Nordkurs, das Wasser jetzt fast glatt. Backbord passieren wir nacheinander zwei historische Anlagen: zuerst die Befestigung von Grimskär, dann das Schloss von Kalmar — eine der besterhaltenen Renaissancefestungen Schwedens, im 16. Jahrhundert zur heutigen Form ausgebaut. Es wäre ein naheliegender Stopp, aber wir haben heute etwas anderes vor. Nach einigen Tagen in belebteren Häfen wollen wir in eine ruhige Bucht, an einen Naturhafen — nur wir, das Boot und die Stille. Also segeln wir weiter nach Norden.
Die letzten Seemeilen ziehen sich durch den langen Abendschein — es ist kurz vor halb zehn, als wir in Korsgårdens festmachen, und draußen ist es noch hell. Ein paar Kaps an Backbord und eines an Steuerbord, kaum noch Welle, der Wind nachlassend. Dann liegen wir. Die Bucht ist ruhig, genau so, wie wir es uns vorgestellt haben.