Kurz nach elf legen wir ab — Stegeborg liegt gut 50 nm vor uns, und das Ziel ist heute noch zu erreichen. Die ersten Seemeilen gehören dem Stendörrens naturreservat, einem weitläufigen Schärengarten an der södermanländischen Küste, und wer schon mal durch solche Gewässer gesegelt ist, weiß: einfach geradeaus geht hier selten. Der Wind kommt aus Südwest mit 7 kn, baut sich aber rasch auf — gegen Mittag sind wir kurzzeitig bei 17 kn und legen uns ordentlich in die Seite. Auf Kursnäherung zum Südkurs heißt das: viel Betrieb an der Winsch. Wir arbeiten uns durch ein Gewirr von Sunden und Inseln, Schlag für Schlag gen Süden, und die Genua macht dabei gute Arbeit. Ledskär, der Leuchtturm zu Steuerbord, gibt uns kurz Orientierung; die Küste von Risö passieren wir auf demselben Schlag dicht genug, um die Schären deutlich zu sehen. Gegen halb zwei öffnet sich das Fahrwasser ein wenig — und wir liegen endlich freier.
Jetzt beginnt der eigentliche Kampf des Tages. Der Kurs zeigt nach Westen, der Wind kommt aus Südwest und dreht im Laufe des Nachmittags zunehmend nach West — er steht uns also direkt auf der Nase. Wir kreuzen auf, ein langer Schlag nach Westen, dann wieder zurück, und so weiter. Die Böen reichen bis 28 kn, die Krängung geht voll auf 20° — lebhafter Segelspaß, der sich je nach Neigung auch anstrengend anfühlen darf. Den Leuchtturm Munken S passieren wir dicht auf, Femörehuvud liegt ein gutes Stück querab zu Steuerbord. Gegen halb fünf hat der Wind auf West gedreht und bläst mit 20 kn stetig — wir legen die letzte Wende des Abschnitts und halten endlich Südwest an. Kein schlechtes Aufkreuzen, aber auch kein Spaziergang.
Dann die Erlösung: Der Wind bleibt aus West, aber der Kurs dreht nach Südost — und plötzlich fahren wir raumschots. Die Genua füllt sich, das Boot richtet sich auf, die Krängung fällt auf kaum mehr als 7°, und die Welle ist so flach, dass man sich fragen könnte, ob man dasselbe Gewässer segelt wie vorhin. Ein kurzes Stück die Küste entlang, Kap für Kap zu Steuerbord, und wir nutzen die ruhige halbe Stunde, um wieder Kraft zu sammeln.
Der Entspannungsmoment ist gezählt. Ab jetzt geht es nach Südwest in Richtung Stegeborg — und der Wind hat sich inzwischen ebenfalls nach Südwest verabschiedet. Also wieder aufkreuzen, diesmal durch engeres Fahrwasser mit mehr Manövern als auf dem offenen Wasser. Den Leuchtturm Arkö övre nehmen wir dicht an Steuerbord, die Tonne Arkö nedre fyr zieht an Backbord vorbei. Der Wind bläst kurzzeitig 18 kn aus Südwest, Böen bis 24 kn — das Boot legt sich bis auf 23° Krängung, und wer gerade unten Kaffee kochen wollte, hat seinen Versuch vermutlich neu bewertet. Gegen zwanzig Uhr dreht es auf Südwest zurück und lässt ein wenig nach; kurz danach bergen wir die Segel.
20:21
Die letzten knapp 4 nm in den Slätbaken hinein legen wir unter Motor zurück — der Sund läuft schmal nach Westen, der Wind kommt von dort, und jetzt ist es einfach die sauberste Lösung. Das Wasser liegt fast spiegelglatt, die Luft auf 20 °C, und kurz nach halb zehn machen wir in Stegeborg fest.
Stegeborg ist kein normaler Anleger. Auf einer kleinen Insel im Sund stehen die Ruinen des Schlosses Stegeborg, erstmals 1310 urkundlich erwähnt — und schon Jahrhunderte davor sperrten quer in den Sund geschlagene Pfähle die Einfahrt für fremde Schiffe. Eine mittelalterliche Absperrung mitten im schwedischen Schärenmeer, von der heute noch die Fundamente zeugen. Wer nach einem langen Segeltag festmacht und aufblickt, versteht sofort, warum man sich diesen Punkt einmal gesichert haben wollte.