Kurz vor zwölf legen wir ab — der Himmel hängt noch grau über Lilla Marskär, aber weiter draußen reißt er bereits auf. Zunächst geht es unter Motor nach Südost, raus aus dem Schutz der Inseln. 18 Grad, kaum Welle, und ein schwacher Südostwind, der sich auf den 2 Seemeilen bis zur Segelstrecke noch nicht entschieden hat, was er eigentlich will.
Sobald wir freies Wasser haben, gehen die Segel hoch. Der Wind kommt aus Südost, steht also knapp vorlicher als querab — knappe 27 nm liegen noch vor uns, südwärts und dann nach Westen. Wir liegen am Wind und machen ordentliche Fahrt, das Boot legt sich ein wenig auf die Seite, bleibt aber angenehm. Der Himmel zieht wieder zu, stört aber niemanden weiter.
Nach dem ersten Schlag biegen wir nach Westen ab, der Wind läuft nun achterlicher — raumschots, fast flach auf dem Wasser, und wir gleiten entspannt dahin. Die Crew nutzt die Gelegenheit: Tee kochen, Buch aufschlagen, Kurs halten lassen. Einer der Mitsegler bringt es auf den Punkt — „Kein Wind, kein Verkehr, nix los.
Der Kurs bleibt westlich, jetzt mit halben Wind aus Süd. Gegen halb fünf schiebt sich kurz eine Böe durch — 10 kn, das Boot kommt kurz auf Touren, Bücher werden weggeklappt — dann fällt der Wind wieder in sich zusammen und schläft bis zum Abend beinahe ein. Ein kurzer Regenschauer setzt ein, aber die Stimmung an Bord bleibt gut, und der Tee ist ohnehin noch warm.
Als der Wind endgültig aufgibt, werfen wir den Motor an und halten Kurs auf Långa uddsholmen. Gegen acht legen wir fest — seitlich am Stein, wie es hier so geht.
Stendörrens Naturreservat, zu dem diese Inselgruppe gehört, ist ein geschütztes Küstengebiet an der südmanländischen Schärenküste östlich von Nyköping: 923 Hektar Land und Wasser, seit 1972 unter Schutz und Teil des europäischen Natura-2000-Netzes. Was das in der Praxis bedeutet, merkt man sofort — kaum Bebauung, viele Felsen, Stille. Nach dem Anlegen erkunden wir erst die Insel, dann endet der Abend an einer der Feuerstellen mit Hot Dogs. Später springen Vicy und Jan noch ins kühle Wasser — das Feuer danach tut sein Übriges. Was für ein Abend.