Nach einem entspannten Morgen — Isabel war noch kurz im Wasser — legen wir kurz nach Mittag ab. Ziel ist Sandvik, gut 30 nm nördlich. Der Wind bläst sofort aus Nordost, also genau von dort, wo wir hinwollen. Kein gemütlicher Beginn: wir kreuzen uns gleich am Start gegen eine böige Brise mit Spitzen bis 24 kn durch den Sund zwischen dem schwedischen Festland und Öland. Die See ist noch flach, aber mit nur 5 Sekunden Wellenperiode hat die kurze Choppel schon Biss. Backbord passieren wir den Leuchtturm bei Ispeudde, kurz darauf Krongrundet zu Steuerbord — und arbeiten uns Wende um Wende nach Nordost vor.
13:30
Kurz nach eins schalten wir den Motor ab, die Segel hoch. Der Wind hat auf Nord gedreht und ist mit 9 bis gut 20 kn durchaus da — also weiter am Wind gen Nordost, so wie die Wettervorhersage es versprochen hat. Zwischen Festland und Öland kreuzen wir hin und her, die Schläge führen uns an den Kaps Norra Rev, Kärringenabben und Örsudden vorbei, alle zu Backbord. Der Himmel zieht sich dabei zu. Dass es beim ständigen Anwindkurs irgendwann auch mal frisch wird, liegt in der Natur der Sache — die Böen bringen ordentlich Krängung ins Boot.
Der Nachmittag gehört weiter dem Nordwind. Der Wind festigt sich auf 13 bis 18 kn, der Kurs bleibt nordöstlich, und die Welle hat jetzt einen kleinen Aufbau. Keine Erholung nach Lee — das Segeln macht einfach Spaß, auch wenn man die Beine manchmal gegen die Krängung stemmen muss. Gegen Mitte Nachmittag reißt die Bewölkung wieder auf.
Dann, endlich, dreht der Wind auf Nordost und wir können auf Nordwest abfallen — das nimmt den Druck aus dem Kurs und bringt etwas Entspannung. An Steuerbord liegen die Ruinen von Borgholms Burg, einer der größten Burgruinen Skandinaviens, und etwas weiter oben Schloss Solliden, der schwedischen Königsfamilie vertrautes Sommerdomizil. Schöne Kulisse für einen Schlag, auf dem wir endlich auch mal nicht mehr direkt in den Wind hineinstechen.
Für den letzten langen Abschnitt gen Nordost dreht der Wind wieder auf die Nase — noch einmal kreuzen, noch einmal Geduld. Die Schläge sind weit, die Strecke mit knapp 15 nm die längste des Tages. An Backbord bleiben die Leuchtfeuer von Bokoskar und Okno sowie das Kap Gäddenäseudde hinter uns. Gegen acht Uhr abends laufen wir in Sandvik ein und machen fest. Die Camelot wird klargemacht, dann geht es an Land einkaufen. Abends wird Doppelkopf gespielt — kein schlechter Abschluss für einen langen Tag am Wind.