Kurz nach 8 laufen wir aus Vinga aus. Wir lagen die Nacht über im Päckchen mit einem anderen deutschen Boot. Die wollen um 8 Uhr los, also schließen wir uns an und werfen die Leinen los — ein klarer Morgen, 15 Grad, der Nordost bringt zunächst nur 8 kn. Varberg liegt gut 40 nm vor uns in Richtung Südost, und wir haben Wind von hinten. Besser kann ein Tag kaum anfangen.
Die Segel füllen sich sofort, und mit raumem Wind legen wir uns auf Südostkurs. Ein letztes Mal blicken wir an Backbord auf die Inseln des Schärengartens von Göteburg. Gegen Mittag dreht der Wind auf Nordwest herüber und baut auf ca 13 kn auf — der Kurs bleibt günstig, und die Fahrt wird spürbar besser. Um kurz nach zwölf halsen wir erstmals auf Südkurs. Die Welle ist flach, der Himmel offen, Nanuq liegt irgendwo zwischen den Beinen der Crew.
Gegen 13:30 Uhr dreht der Wind weiter auf und bringt 15 kn mit Böen bis 20 kn — schöne Fahrt, aber das war es dann auch mit dem ruhigen Gleiten. Zwei Halsen folgen hintereinander, um dem Eiern auf der Welle etwas zu entgehen.
Nach den Halsen wird es spürbar unruhiger: 16 kn aus Nordwest, Böen bis 26 kn, breite Halbwindfahrt über das Kattegat. Das Boot legt sich etwas auf die Seite und zieht. Nach einer Halse laufen wir die letzten Minuten auf Südkurs. Gut so.
Dann, kurz nach drei, ein Blick nach vorne: Eine Gewitterzelle zieht auf und kreuzt unseren Weg. Aus einem sonnigen raumen Kurs wird ein kleiner Regenschauer — Technik in den Niedergang, regenfeste Jacken an, Segel runter, Motor an. Die Crew geht unter Deck, nur Jan hält auf das Unwetter zu. Vielleicht eine andere Art von Wachhabenden-Privileg. Fünfzehn Minuten später ist der Spuk vorbei: kein Regen mehr, aber auch keine Sonne und kein Wind.
Wir fahren unter Motor weiter, die halländische Küste backbord in gemessenem Abstand — Krogstadsudde, ein paar Kaps, die wir nacheinander hinter uns lassen. Der Wind schläft auf 10 kn ein und bleibt es.
Kurz 17 Uhr laufen wir auf Varberg zu. Der Leuchtturm am Subbeberget kommt steuerbord in Sicht, die Stadt mit ihrem markanten Profil auch. Gegen 18 Uhr liegen wir dann Fest an der Kaikante.
Varberg ist eine kleine Stadt an der schwedischen Westküste mit einer mächtigen mittelalterlichen Festung direkt am Wasser, einem der am besten erhaltenen Schlösser Skandinaviens. Bekannt ist die Stadt auch für das Kallbadhus an der Strandpromenade — ein öffentliches Bade- und Saunahaus, wo man direkt in den Kattegat steigen kann. Nach diesem Tag wäre das keine schlechte Idee.