Kurz vor zehn legen wir in Tunø ab — der Wind aus Südost steht gut, 14 kn, und die Genua lassen wir erstmal unten, denn heute ist viel Wind angesagt. Schon in der Ausfahrt geht das Großsegel hoch, und das Kap Lilleøre läuft querab, als wir Kurs Südwest nehmen. Der Wind trägt uns auf halbem Wind hinaus, die Böen reichen bis 22 kn, das Boot liegt ruhig und aufrecht. Knappe 47 nm liegen vor uns bis Kolding — ein langer Tag.
10:33
Mit der Genua in Fahrt läuft es sich gut: der Ostwind schiebt uns raumschots nach Südwest, bis zu 7,8 kn über Grund. Am Vormittag passieren wir das Kap As Hoved querab Steuerbord, der Wind dreht in den Südost und baut auf 16 kn auf. Wir nutzen jeden Knoten.
Um die Mittagszeit zieht der Wind auf Ost und frischt auf — 17, dann gegen 19 kn, Böen bis 25. Das Boot läuft raum und willig, Spitze 8,4 kn. Muss auch so sein: wir binden ein zweites Reff ein.
14:08
Mit zwei Reffs im Großsegel und einem stabilen Ostwind zwischen 20 und 23 kn geht es weiter nach Südwest. Böen bis 32 kn drücken uns kurz auf die Seite, aber raumschots liegt das Boot nur leicht übergeholt, und das Schiff läuft sauber durch. Fredericia öffnet sich zu Steuerbord, gut eine Seemeile querab — eine der ältesten Festungsstädte Dänemarks, vom Fjord aus gut zu erkennen. Kurz dahinter liegt die Shell-Ölpier. Gegen 16 Uhr lassen die Genua fallen und drehen in den Kleinen Belt ein.
Im Kleinen Belt legt sich das Wasser flach, und der Wind pendelt sich auf 19 kn aus Ost ein. Der Wind steht achterlich, wir laufen West — ein schöner Schub. Zwei Q-Wenden, um das Rigg bei so viel Wind nicht allzu sehr zu beanspruchen, dann öffnet sich der Kolding Fjord: Hovens Odde und Skarre Odde steuerbord und backbord, die Stadtsilhouette von Kolding kommt auf uns zu und der Wind fällt auf 14 kn zurück. Kurz vor halb sieben sind wir festgemacht.
Kolding liegt am Ende des gleichnamigen, gut elf Kilometer langen Fjords — für ein Segelboot eine lange, stille Einfahrt durch Weidelandschaft. Der Hafen selbst ist einer der bedeutendsten Güterhäfen Dänemarks und der größte für Holzimporte; am Kai herrscht Betrieb. Die Lystbådehavn liegt mittendrin, und das Koldinghus — die mittelalterliche Burganlage der Stadt — grüßt von der Anhöhe.