Kurz nach halb elf legen wir in Havsvidden ab — Jan, Lai, Nele, Victoria und Nanuq an Bord. Der Motor bringt uns zunächst aus der Marina heraus, Kurs Ost, an Kobbgrund vorbei zu Steuerbord. Der Himmel hängt grau durch, 17 °C, aber noch kein Wind der Rede wert. Irgendwo da draußen warten rund 27 nm Åländische Schären auf uns, und der Südwest frischt gerade so langsam an.
Nach gut einer halben Stunde stoppt der Motor, und die Segel gehen hoch — Großsegel und Genua. Der Wind steht querab aus Südwest, wir kommen auf einen flotten Raumschots-Kurs gen Südost und strecken uns durch die Schären. Österörarna bleibt backbord, Silverskär steuerbord; die Inseln ziehen ruhig vorbei, das Wasser liegt fast spiegelglatt. Als der Wind auf bis zu 18 kn anzieht und das Boot sich ordentlich in die Seite legt, merkt man, dass der Tag doch noch etwas vorhat.
Zu Mittag dreht sich der Wind ein gutes Stück nach vorne. Jetzt liegen wir Am-Wind-Kurs, noch immer Südost, und müssen uns mit ein paar Wenden vorarbeiten. Der Wind baut weiter auf — zeitweise bis 24 kn — und das Boot legt sich mit bis zu 21° auf die Seite. Nicht dramatisch, aber auch nicht das, was man einen gemütlichen Sonntagstörn nennen würde. Flatgrund, Sandö und Risholm passieren wir jeweils backbord. Gegen Mittag reißt die Wolkendecke hier und da auf.
Mitte des Nachmittags machen wir in Vargata fest — eigentlich nur kurz, für Proviant. Aus dem kurzen Stopp wird mehr: ein niedliches kleines Örtchen, umgeben von Apfelplantagen, und direkt am Hafen ein Café, das uns mit einem typisch åländischen Dessert bekannt macht — ein Pancake mit Pflaumenmus und Sahne. Nach dem, was der Vormittag an Deck zu bieten hatte, verdient. Im einzigen Dorfladen weit und breit finden wir überraschend alles, was gebraucht wird, und gehen mit vollen Taschen zurück zum Schiff.
Dann zeigt sich, warum ein langer Stopp keine so gute Idee war: Wir liegen sehr ungemütlich am Steg. Die Windwelle aus dem Sund schlägt seitlich gegen die Bordwand und drückt uns an den Steg — das kann man auf Dauer nicht lassen. Also beschließen wir, noch ein paar Meilen weiterzufahren.
18:43
Das Ablegen aus Vargata gestaltet sich etwas unterhaltsamer als geplant. Der steife Seitenwind macht es uns schwer vom Steg loszukommen.
Unter Motor, Kurs Südwest, laufen wir an Prästö backbord vorbei und erreichen gegen acht Uhr abends Bomarsund. Die Sonne steht noch hoch — hier oben setzt sie sich spät — und wir machen fest. Ruhiger als in Vargata. Das war's, was wir gebraucht haben. Doch der Hafen ist voll. Wir haben nur noch außen Platz am Steg und beim Anbringen der Leine an der Heckboje verhakt sich nicht nur die Leine, sondern auch das Beiboot. Da können wir eigentlich besser — aber das Hafen-Kino wird das Publikum am Steg sicher erfreut haben. Mit ein wenig Hilfe von außen klappt es dann doch.