Kurz nach elf legen wir ab. Der Motor läuft, die Segel liegen noch unten, und auf knapp einer halben Seemeile verlassen wir Gubbön gen Norden. Flat calm, kaum eine Kräuselung auf dem Wasser, neunzehn Grad und strahlend blauer Himmel — kein schlechter Einstieg in den Tag.
Dann geht der Motor aus. Die Segel hoch, und auf Anhieb läuft es gut: harter Anwindkurs, der Wind aus Nordost, Kurs gen Osten Richtung offene Ostsee. Wir freuen uns auf einen langen Segeltag.
Bei der kleinen Insel Reskär wird es kurz lebendig. Ein anderer Segler kommt auf Kollisionskurs, Backbordbug — wir mit Steuerbord müssen abfallen und ihn durchlassen. Er wendet daraufhin und läuft plötzlich auf demselben Kurs wie wir. Zwei Boote, eine Richtung, und irgendwie verwandelt sich das in ein kleines Rennen. Wir folgen ihm, halten uns von den Steinen frei, und die Camelot holt langsam auf. Kurz vor den Steinen gibt der andere auf und wendet — wir laufen genug Höhe und ziehen ohne Wende durch. Regatta gewonnen. Danach fällt der Wind merklich ab und dreht etwas nach Nordwest; wir treiben fast auf der Stelle gen Osten, Edith Piaf läuft auf den Boxen, und wer nicht mitsingt, döst in der Sonne. Schöneres Stillliegen gibt es kaum — aber vorankommen tut man so halt nicht.
Irgendwann ist klar, dass wir heute so nicht mehr ankommen werden. Also Motor an, Segel zunächst noch oben — Hoffnung auf den angekündigten Südwind. Wir motoren zunächst Richtung Nordost, dann stört die Genua: Sie schlägt immer wieder gegen die Steuerbordseite, genau an einer schon leicht beschädigten Stelle. Wir bergen sie. Das Klebeband, das die Wunde schon in Gubbön hätte bekommen sollen, findet sich gerade nicht — das wird eine Aufgabe für den nächsten Hafen.
Der Wetterbericht verspricht Wind eher küstennah, also drehen wir nach Westen und halten uns wieder ans Festland. Vier Knoten durch das Wasser, Lars setzt den schwarzen Kegel. Isabels Couscous entschädigt ein wenig für das, was draußen fehlt — auch wenn die Hitze zunehmend drückt. Irgendwann spannen wir ein Sonnensegel, ein Eimer Meerwasser wandert über Deck, und wir warten weiter auf den versprochenen Wind.
Der Wind kommt — und diesmal bleibt er. Die Genua geht hoch, der Motor verstummt, und auf raumem Kurs bei südlichem Wind laufen wir endlich wieder nur durch Windkraft gen Norden. Fast flaches Wasser, das Boot gleitet ruhig durch, und es liegt wohl schlicht an der Tageszeit, dass jetzt Bewegung in die Sache kommt. Zwei Halsen auf den gut sechzehn Seemeilen, der Wind aus Süd macht den Kurs zur Freude.
Mit der Gitarre an Deck und ein paar gemeinsamen Liedern über der Ostsee geht der Nachmittag dahin. Auf der Karte suchen wir nach einem passenden Hafen für die Nacht — Wasser brauchen wir, etwas einkaufen wäre gut. Gegen zwanzig Uhr laufen wir Oxelösund an und machen fest. Ein langer Tag, der sich am Ende noch ordentlich gedreht hat.